DAS steht eurer Tiefe im Weg
- vor 11 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
"Ich wünsche mir jemanden, der sich öffnet und mit mir tief taucht."
Aber können wir das auch halten, wenn's passiert?
Können wir unsere tiefsitzenden Prägungen über Board werfen?
(Yes, können wir - so viel sei schon mal gesagt)
🎧 Tipp: Hör gern auch in meine Podcast-Folge dazu
Viele von uns sehnen sich nach einer Beziehung, die emotional tiefer ist als frühere Generationen sie erlebt haben.
Wir wünschen uns Partner:innen, die fühlen können, die präsent sind, zuhören, uns sehen und emotional erreichbar sind. Die sich öffnen können. Die präsent sind.
Gleichzeitig tragen viele von uns sehr tiefsitzende, kulturell geprägte Vorstellungen davon in sich, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat, die emotionaler Tiefe noch gar keinen echten Platz geben.
Über Generationen war klar festgelegt, was "angemessen" ist und belohnt wird, und was nicht. Emotionaler Ausdruck war bestimmten Geschlechtern stärker erlaubt als anderen. Nähe hatte Grenzen. Verletzlichkeit hatte Bedingungen. Und auch wenn wir im Kopf oft schon weiter sind, trägt unser Nervensystem diese alten Prägungen noch in sich. Und wir werden noch täglich damit konfrontiert - die alten Rollenbilder sind omnipräsent in Medien, Freund:innenkreisen, Familien, Arbeitsumgebungen etc.
Und hier entsteht die Reibung:
Hier treffen neue Wünsche nach mehr Tiefgang auf alte Prägungen.
Sobald sich jemand wirklich öffnet, verletzlich wird und emotional sichtbar wird – aus den alten Rollen aussteigt – entsteht nicht nur Nähe.
Oft zeigt sich auch Spannung. Irritation. Unsicherheit. Teils sogar Abwehr - weil es ungewohnt ist.
Denn plötzlich zeigt sich ein Mensch statt einer Rolle.
Viele Menschen können das empfangen, solange es das eigene Selbstbild nicht berührt.
Solange nicht "Grundsätze" in Frage gestellt werden.
Echte Intimität fordert uns heraus.
Stellt unsere Prägungen in Frage.
Zeigt uns, was wir noch nicht gewohnt sind.
Was wir noch bewerten.
Oder noch nicht halten können.
„Viele wünschen sich Partner:innen, die fühlen können — aber sobald sie fühlen, wird es uns zu viel. Viele können diese Emotionalität oft noch nicht wirklich halten.“
Doch Beziehung wird erst lebendig, wenn beide Seiten sich ganz zeigen dürfen.
Echte Intimität bedeutet nicht nur, selbst gesehen zu werden — sondern auch deinem Gegenüber genau dafür einen "emotionalen Safe Space" zu kreieren. Indem du diesen Menschen auch in seiner ganzen "Messiness of being human" siehst, ehrlich akzeptierst und dafür liebst (nicht trotzdessen 😉).
Das bedeutet auch:
die Verletzlichkeit & Emotionalität des anderen nicht zu regulieren oder schnell zu fixen
sie nicht kleiner zu machen oder (unterschwellig) zu abzuwerten oder zu beschämen
sondern präsent zu bleiben und dafür den Raum zu halten.
„Wenn Verletzlichkeit nicht gehalten wird, kommt sie so schnell nicht wieder.“
Hier beginnt Shadow Work in Beziehungen.
Nicht beim anderen – sondern bei der eigenen Toleranz für Realität.
Durch ehrliches Hinschauen:
Wo wünsche ich mir etwas — und begrenze es gleichzeitig (unbewusst)?
Wo darf ich in mir noch mehr Toleranz für bestimmte Eigenschaften in meinem Gegenüber entwickeln, die gesellschaftlich nicht "maskulin"/"feminin" sind? Welche alten Vorstellungen darf ich dafür hinterfragen und Stück für Stück auflösen?
Und indem wir unser eigenes, inneres Spektrum erweitern:
Welche Qualitäten kultiviere ich noch nicht in mir selbst, weil ich das nie gelernt habe oder mir nie erlaubt habe? Zum Beispiel:
Kann ich in die Führung gehen oder warte ich darauf, dass mich jemand an die Hand nimmt? Kann ich mich auch selbst halten in meinen Emotionen? Kann ich mir selbst Nähe und Anerkennung schenken? Sehe ich mich selbst und gebe mir Verständnis und Mitgefühl?
Oder bekomme ich das alles nur im Außen?
Denn wenn ich das in mir selbst nicht habe oder erlaube, dann brauche ich es im Außen. Und damit darf mein Gegenüber zum Beispiel nicht wackeln, weil ich dessen Stabilität brauche. Oder mein Gegenüber muss "schwach und hilfsbedürftig" bleiben, damit ich mich stark und fähig fühle.
„Wir sagen wir wollen Verbindung — aber unbewusst verlangen wir noch Stabilität statt Echtheit.“
Wenn wir lernen, das volle, aber oft ungewohnte Spektrum in unserem Gegenüber willkommen zu heißen, entsteht Freiheit.
Freiheit davon, Rollen und Erwartungen erfüllen zu müssen.
Freiheit davon, performen zu müssen.
Freiheit, wirklich wir selbst zu sein.
Freiheit, wirklich in Verbindung zu sein.
Und genau dort entsteht Intimität – in dieser echten Begegnung.
🔔Und ein wichtiger Reminder:
Dieses sich Öffnen, Verlernen und Umlernen braucht Zeit. Geduld. Und Raum und Erlaubnis to fuck up and repair.
Wir werden nicht immer gleich weit sein, gleich schnell gehen oder es immer direkt gut und richtig machen. Es gibt keinen perfekten "emotional safe space".
Die Grundlage dafür ist Selbstmitgefühl.
Wenn du dich selbst hart bewertest, wirst du auch Beziehung als Leistungsraum erleben, wo keine Fehler gemacht werden dürfen.
Wenn du mit dir aber verständnisvoll, nachsichtig und mitfühlend bist, dich selbst hältst und dir Rückversicherung gibst, dann kannst du auch Nähe, Verletzlichkeit & Imperfektion erlauben.
Und genau hier beginnt echte Intimität:
Wenn deine Verletzlichkeit und Verbindung nicht mehr davon abhängt, dass der andere perfekt agiert und reagiert, sondern davon, dass du dich traust, präsent zu bleiben und für dich gut zu sorgen. Liebevoll aber klar Feedback zu geben.
Tiefe Verbindung entsteht nicht durch die richtigen Worte und Handlungen.
Sondern durch die Fähigkeit, mit dem Unbequemen zu bleiben.
Meine Einladung an dich:
Vielleicht darfst du hier in die Führung gehen und die Einladung an dein Gegenüber aussprechen. Die Hand ausstrecken und ein paar Schritte gehen.
Statt darauf zu warten und zu hoffen, dass der andere den Raum für Verletzlichkeit öffnet und sich zuerst nackig macht. I know, might feel scary ;-)
Wenn ihr euch Support wünscht, diese Freiheit, Tiefe und Verletzlichkeit zu explorieren, let's talk.
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